Kirchengeschichte
Konzilien und Synoden
Die sieben ökumenischen Konzilien, abendländische Konzilien, konziliare Autorität und vergleichende Rezeption
Die sieben ökumenischen Konzilien, von Nizäa 325 bis zum Zweiten Nizänum 787, sind das gemeinsame Erbe aller christlichen Traditionen — mit einer Ausnahme, die dieses Modul erklärt. Sie haben die trinitarische und die christologische Lehre in Formeln gefasst, die bis heute gelten.
Die sieben ökumenischen Konzilien
| Konzil | Jahr | Streitfrage | Entscheidung |
|---|---|---|---|
| Nizäa I | 325 | Arius: Der Sohn ist ein Geschöpf | Der Sohn ist ὁμοούσιος, wesensgleich mit dem Vater |
| Konstantinopel I | 381 | Die Gottheit des Heiligen Geistes; Apollinaris | Vervollständigung des Credo; der Geist ist Herr und macht lebendig |
| Ephesus | 431 | Nestorius: zwei Subjekte in Christus | Maria ist Θεοτόκος, Gottesgebärerin; eine Person |
| Chalkedon | 451 | Eutyches: eine einzige Natur nach der Vereinigung | Zwei Naturen, unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungesondert, in einer Person |
| Konstantinopel II | 553 | Die Drei Kapitel; Origenismus | Verurteilung nestorianisch verdächtigter Schriften; Bekräftigung Chalkedons |
| Konstantinopel III | 680-681 | Monotheletismus: ein einziger Wille in Christus | Zwei Willen und zwei Wirkweisen, göttlich und menschlich |
| Nizäa II | 787 | Bilderstreit | Die Ikonen dürfen verehrt (προσκύνησις), nicht angebetet (λατρεία) werden |
Die Ausnahme: das Zweite Nizänum
Die reformierte Tradition nimmt die ersten sechs Konzilien an und verwirft das siebte: Die Unterscheidung von Verehrung und Anbetung schien ihr in der Praxis unhaltbar, und Calvin sah in den Bildern einen Verstoß gegen das zweite Gebot (Institutio I.11). Die lutherische Tradition ist nuancierter: Sie duldet Bilder als Lehrmittel, ohne ihre Verehrung zu übernehmen. Die anglikanische Kirche hat die Frage nie förmlich entschieden. Die Orthodoxie feiert den Sieg der Bilder am ersten Fastensonntag als „Triumph der Orthodoxie“.
Die westlichen Konzilien
Die katholische Kirche zählt vierzehn weitere ökumenische Konzilien, vom Ersten Laterankonzil 1123 bis zum Zweiten Vatikanum; die Orthodoxie und der Protestantismus erkennen keines von ihnen als ökumenisch an, da der Osten nicht vertreten war.
| Konzil | Jahr | Hauptbeschlüsse |
|---|---|---|
| Lateran IV | 1215 | Transsubstantiation; jährliche Beichtpflicht; Maßnahmen gegen Juden und Häretiker |
| Lyon II | 1274 | Unionsversuch mit dem Osten, Filioque vom griechischen Kaiser angenommen, in Konstantinopel verworfen |
| Konstanz | 1414-1418 | Ende des Großen Abendländischen Schismas; Verbrennung von Jan Hus; Dekret Haec Sancta über die Überordnung des Konzils |
| Florenz | 1439 | Union mit den Griechen unterzeichnet, vom orthodoxen Kirchenvolk verworfen |
| Trient | 1545-1563 | Antwort auf die Reformation: Rechtfertigung, Sakramente, Kanon, Reform des Klerus |
| Vatikanum I | 1869-1870 | Päpstliche Unfehlbarkeit und Jurisdiktionsprimat |
| Vatikanum II | 1962-1965 | Liturgiereform, Kollegialität, Ökumene, Religionsfreiheit |
Konziliarismus und Papalismus
Das Konzil von Konstanz erklärte 1415, ein Konzil habe seine Vollmacht unmittelbar von Christus und auch der Papst sei ihm in Glaubensfragen unterworfen. Diese konziliaristische Position, die den Westen aus der Krise dreier gleichzeitiger Päpste führte, wurde vom Papsttum in den folgenden Jahrzehnten zurückgedrängt und 1870 endgültig verworfen. Die Reformatoren beriefen sich auf sie: Luther forderte 1518 und 1520 ein freies Konzil, und die Confessio Augustana ist an ein solches adressiert.
Die Autorität der Konzilien im Vergleich
Die Konzilien haben Autorität, sofern sie mit der Schrift übereinstimmen: Sie sind norma normata. Die Confessio Augustana beruft sich ausdrücklich auf Nizäa; die Confessio Helvetica posterior nimmt die altkirchlichen Symbole an. Aber Konzilien können irren und haben geirrt, wie Luther in Leipzig 1519 über Konstanz sagte. Das Zweite Nizänum wird von den Reformierten verworfen.
Die sieben Konzilien sind unfehlbar, weil sie vom ganzen Kirchenvolk rezipiert wurden; die Rezeption, nicht die Einberufung, macht ein Konzil ökumenisch. Deshalb ist Florenz trotz der Unterschriften kein ökumenisches Konzil. Seit 787 hat kein Konzil diesen Rang erlangt; das Konzil von Kreta 2016 wurde von vier Kirchen boykottiert.
Ein Konzil ist ökumenisch, wenn es vom Papst einberufen oder bestätigt wird; seine Lehrentscheidungen sind unfehlbar. Die Reihe umfasst einundzwanzig Konzilien. Das Bischofskollegium übt mit dem Papst die höchste Lehrgewalt aus (Lumen Gentium §22), doch ohne den Papst gibt es kein Konzil.
Bibliographie
- Alberigo, Giuseppe, Hg. Geschichte der Konzilien. Vom Nicaenum bis zum Vaticanum II. Düsseldorf: Patmos, 1993.
- Wohlmuth, Josef, Hg. Dekrete der ökumenischen Konzilien. 3 Bde. Paderborn: Schöningh, 1998-2002.
- Jedin, Hubert. Kleine Konziliengeschichte. Freiburg: Herder, 1959.
- Grillmeier, Alois. Jesus der Christus im Glauben der Kirche. Freiburg: Herder, 1979-2002.
Quiz — Konzilien und Synoden
Welches der sieben ökumenischen Konzilien verwirft die reformierte Tradition?
- Chalkedon (451)
- Nizäa II (787), wegen der Bilderverehrung
- Ephesus (431)
- Konstantinopel III (680-681)
Calvin, Institutio I.11